Oldtimerzunft Guntersblum
Unser Ferguson ist kein reinrassiger
Ferguson TEA, ihm wurde wohl manches Ersatzteil vom Ferguson TED
eingebaut. Im Prinzip sind sie beide ähnlich aufgebaut. Der TEA
hat eine etwas höhere Verdichtung und ist wie der TED eine
Vergasermaschine. Für uns ist es nicht besonders verständlich
warum ein Traktor mit einem Benzinmotor ausgerüstet wurde, ein
Blick in das Nachkriegs England kann das allerdings erklären.
Benzin war wohl preiswert aber auch rationiert. So kam es zu der
Entwicklung des TED (TEA) der mit Traktortreibstoff (TVO) betrieben
wurde. Dies ist ein Paraffin basierender Treibstoff der nicht
zündfähig ist. Man verwendete einen Trick, die Maschine
wurde mit Benzin gestartet und nach dem die Betriebstemperatur
erreicht war auf TVO umgestellt. Da Ansaug- und Auspuffkrümmer
ein Teil sind und dazu auch noch einen Hitzeschild das Auskühlen
vermindert wird er sehr heiß, da verdampft dann das Treibstoff
Luft Gemisch und wird dem Motor als brennbares Gasgemisch zugeführt.
War wohl nie das Glückseligmachende aber es hat funktioniert und
wurde von der Rationierung nicht beeinträchtigt. Was beiden
Typen eigen war, sie waren sehr durstig. Bei schwerer Arbeit gingen
pro Tag schon 2 Tankfüllungen drauf (60-70 Liter). Ähnliche
Erfahrungen haben wir auch bereits gemacht, mit leerem Tank wurde
auch schon abschleppen geübt. Ja warum kauft man so einen
Schlepper und behält ihn auch noch? Gekauft wurde er im
ebay, es war ein Wagnis und er wurde dann auch noch sehr teuer. Ein
Schlepper mit 62 Jahren ist nun mal verbraucht und wenn man den Motor
öffnet bleibt es nicht bei Kleinigkeiten, nein dann geht es zur
Sache. Immerhin ist der Motorblock und der Zylinderkopf noch
erhalten, die Innereien sind NEU. Während der Restauration
wurde mir der Graue immer sympathischer und es macht echt Spaß
mit ihm durch Rheinhessen zu fahren, der Sound ist unvergleichlich
schön. Die Überführung aus Aschersleben nach
Guntersblum war ein unvergessenes Wochenende mit Freunden, nicht
wirklich vernünftig aber unbeschreiblich schön, das
vergisst man nicht. Nach einem Winter unter der Plane gab er dann
im März 2012 seine ersten Töne von sich, die Optik wurde
aufpoliert und die alte Technik anschließend auf der Straße
getestet, Schwachstellen erkannt und gezielt bearbeitet. Nun ist
er wieder auf der Straße zurück, die ersten Einsätze
hat er nun hinter sich. Viele sahen den alten Engländer und
hatten auch Erinnerungen aus an diese Maschine, so kommt man mit
vielen Menschen in Kontakt. Seine Wendigkeit wird gelobt, mit der
Zugkraft blieb er wohl hinter den Erwartungen zurück. Dies lag
am System Ferguson, dessen Ziel es war Einen leichten Schlepper zu
bauen der die Zugkraft nicht durch das Gewicht auf den Boden bringt,
sondern durch ein intelligentes Zubehörprogramm. Bei uns wurden
aber alte Geräte und Wagen aus der Zeit der Zugtiere weiterhin
benutzt und damit konnte diese sympathische Maschine ihre Vorzüge
nicht ausspielen.
http://www.historische-landtechnik-rheinhessen.de/
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